Grössenwahn im 20. Jahrhundert


Ära Tiebel
Im Januar 1897 übernahm Richard Tiebel das Bergwerk. Ein Jahr nach der übernahme liess Tiebel rund 400 Meter unterhalb sämtlicher bisherigen Stollen einen Untersuchungsstollen vorantreiben. Der Sogenannte Tiebelstollen erreichte nach zwei Jahren Bauzeit bereits eine Länge von 210 Metern und querte die erzführenden Gänge. Gleichzeitig wurde auf der anderen Seite des Roten Baches der nach Ingenieur Dahl benannte Dahlstollen vorangetrieben. Beide Stollen wurden am Ende miteinander verbunden.

Nach dem überraschenden Tod von Ingenieur Dahl ‾ er ertrank in der Rhone ‾ gründete Tiebel, zusammen mit ein paar Freunden die «Bergwerksgesellschaft Helvetia». Rasch wurde mit dem Bau der neuen Aufbereitungsanlage mit einer Kapazität von 100 Tonnen Erz pro Tag begonnen. Hinzu kamen Turbinenanalgen und Unterkünfte. Eine Seilbahn vom Dahlstollen zur Aufbereitungsanlage diente zum Erztransport. Allein 1902 wurde in den Stollen und Kaminen 500 Meter Vortrieb geleistet. Man rechnete bereits damit, dass im nächsten Jahr ein Gewinn ausbezahlt werden kann.

Die Erzgänge in den Stollen auf 1300 bis 1400 Meter waren aber bedeuten weniger ertragsreich als angenommen. Die Aufbereitungsanlage stand monatelang still weil zu wenig Material zur Verfügung stand. Um ertragsreicheres Erz zu fördern sollten unterirdische Verbindungen zu den höher gelegenen Stollen erstellt werden. Doch bereits Ende Jahr ging der Gesellschaft die Mittel aus. Man bat die Aktionäre Geld aufzubringen um die alten Stollen aufwältigen zu können. Das Geld konnte zwar beschafft werden, die Erschliessung der ertragsreichen Stollen kam aber zu spät und so musste im November 1907 der Betrieb eingestellt werden.

Von Tiebel gelangte die Konzession an die Generalunternehmung der Bern-Lötschberg-Simplon Linie in Paris. Diese war zu dieser Zeit mit dem Bau der Lötschberg-Strecke beschäftig und konnte das Gelände und die Gebäude der Mine gut gebrauchen. Man prüfte zwar einen Abbau im Bergwerk, verzichtete aber darauf. 1927 gab die «Berner-Alpenbahngesellschaft BLS» die Konzession dem Kanton zurück.

Ära Schurter und Eberhard
1939 übernahm Ingenieur H. Schurter die Konzession. Zusammen mit seinem Teilhaber Ingenieur Eberhard gründete er 1941 die «Erzbergwerk Goppenstein GmbH». Geplant war ein Abbau zwischen 1300 und 1600 Meter, also auf derselben Höhe wie Tiebel abgebaut hatte. Schurter, welcher von Bergbau so gut wie keine Ahnung hatte, rechnete bereits zu Beginn mit einer Produktion von 10 Tonne Blei pro Tag. Die Stollen sollten innert kürzester Zeit aufgewältigt und in Goppenstein Anlagen für Flotation und Elektrolyse erstellt werden. Dank seines Bergwerks sah Schurter den schweizweiten Bleiverbrauch auf Generationen hinaus gesichert. Die dazu nötigen Erzvorkommen hatte er zuvor mit Pendelversuchen bestätigt.

Bei einem Besuch des «Bureau für Bergbau» aus Bern waren die Ingenieure von den Arbeiten im Bergwerk nicht sehr begeistert. Der Abbau in dieser Höhe sei schwierig und das Erzvorkommen zu gering. Schurter wurde daraufhin kaum mehr ernst genommen. Statt in den Stollen zu arbeiten tranken die Arbeiter in den Kantinen oder schliefen im offenen Gelände. Eberhard hatte schliesslich genug von laienhaften Versuchen von Schurter. Es gab andauernd Streitereien zwischen den beiden. Auch dem Staatsrat wurde es mit der Zeit zu bunt und setzte dem Ganzen 1942 ein Ende indem die Konzession aufgeteilt wurde. Eberhard erhielt das hauptsächliche Abbaugebiet auf der linken Seite, Schurter den Teil auf der rechten Seite der Lonza.

Während Eberhard die Arbeiten fortgesetzt hat, sind von Schurter keine bergbaulichen Tätigkeiten bekannt. Eberhard wältigte die Stollen weiter auf und erstellte eine 180m lange Seilbahn vom Tiebelstollen zur Strasse. Weiter erstellte er eine unterirdische Förderanlage zwischen Tiebel- und Dahlstollen und liess mehrere Umbauten an den bestehenden Gebäuden durchführen. In Planung war zudem eine neue Aufbereitungsanlage. Trotz der ganzen Arbeiten war bisher kaum Erz abgebaut worden. Stattdessen begann er mit der Ausbeutung von Talk und förderte Quarz aus dem Dahlstollen.

1944 trat Joseph Dionisotti in die Gesellschaft von Eberhard ein. Doch auch weiterhin gab es nur Instandstellungsarbeiten und viele Pläne. Da aber beide zu finanzschwach waren, war an einen Abbau und die Verhüttung vor Ort nicht zu denken. Nach dem Krieg sank das Interesse am Bergbau in der Schweiz massiv. Bereits während dem Krieg erklärte das «Bureau für Bergbau» in Bern, dass durch den Import genügen Blei zur Verfügung stehe. Eberhard sah sich daraufhin als Geprellter. Er habe auf Druck des «Bureau für Bergbau» eine immense Summe in das Bergwerk investieren müssen ohne dass etwas herausschaute.

Ära Dionisotti
Ab 1946 liess Dionisotti entgegen dem Willen von Eberhard die Stollen auf 1800 Meter aufwältigen und vorantreiben. Eberhard konzentrierte sich weiterhin auf den Abbau von Talk im Talgrund. Der Talkabbau war so rentabel, dass er in Goppenstein eine Talkmühle, eine Abfüllanlage und einen Lagerraum bauen wollte. Dazu kam es aber nie. Im Sommer 1948 willigte Eberhard ein, die Konzession an Dionisotti abzutreten. Ganz freiwillig geschah das aber nicht. Dionisotti bot an, Eberhard prozentual an der Menge des geförderten Erzes zu beteiligen.

Dionisotti ersuchte den Kanton um eine Baubewilligung für eine neue Aufbereitungsanlage was auch bewilligt wurde. Bereits 1949 begannen die Arbeiten an den neuen Anlagen im Tal, sowie in 1800 Metern Höhe. Lastwagenweise war Material, teils aus dem Ausland, nach Goppenstein gebracht worden um die Anlagen auszurüsten. Zwischen den Stollen in 1800 Metern Höhe und der Aufbereitungsanlage in Goppenstein entstand eine rund 600 Meter lange Seilbahn für den Erztransport. Um die Borhämmer, Pumpen und Ventilatoren in den Stollen zu betreiben wurde ab Goppenstein eine Pressluftleitung erstellt.

In den Stollen und der Aufbereitungsanlage sollten fast ausschliesslich italienische Arbeiter beschäftigt werden. Aufgrund der Schliessung der Anthrazitmine Ferden vor kurzem, entschied die Gemeinde Ferden, dass in Goppenstein nur 10 bis 20 Prozent ausländische Arbeitskräfte beschäftigt werden dürften. Es müssten stattdessen hauptsächlich einheimische, nun arbeitslose Bergleute beschäftigt werden. Schliesslich waren bis 1952 jährlich bis zu 50 Arbeiter im Bergwerk mit den Arbeiten an den Anlagen beschäftigt. 1953 wurden die Arbeiten in der Mine überraschend eingestellt. Bisher wurde kaum Erz abgebaut. Die neu erstellte Aufbereitungsanlage war nur sehr kurz in Betrieb. Um die Arbeiten jedoch jederzeit wieder aufnehmen zu können, wurden die Anlagen bis 1965 regelmässig kontrolliert und ein Rapport an Dionisotti erstellt. Trotzdem konnten Diebstähle, Einbrüche und Vandalismus nicht verhindert werden. 1968 fiel die Konzession zurück in den Besitz des Kantons.